Das Wort Stillstand beschreibt einen Zustand, in dem sich etwas nicht mehr bewegt. Synonyme dafür sind: Stagnation, Stockung, Stauung, Pause, Unterbrechung, toter Punkt, Flaute… und es war Stille allerorten. Natürlich nicht, denn wo käme denn sonst das schicke neue Logo her, das diesen Blog nun krönt? Wobei… während ich diese Zeile schreibe, kann ich sie schon hören, die kritischen Stimmen, welche dem Logo Unlesbarkeit attestieren. Postwendend halte ich aber dagegen und antworte vorrauseilend… ist alles Absicht! Denn meine hochachtungsvoll verehrte Großmutter, der dieser Blog gewidmet ist, schrieb nämlich Sütterlin. Und das sieht schön aus. Nun liegt auch das im Auge des Betrachters. Also zumindest mir gefällt es.

Und was die liebe Oma nicht alles konnte. Kuchen backen zum Beispiel! Wie jede Oma so buk auch die meine den weltbesten Käsekuchen, den man sich nur vorstellen kann. Und ausserdem machte sie Eis! Und damit meine ich nicht einen in ein Plastikkorsett gezwängten Schluck schockgefrosteten O-Saft. Nein… richtiges Eis. Das hatte sie von ihrem Vater gelernt, dem italienischen Eiskonditor Serafino Toscani, der erstmals im Jahre 1900 urkundlich als Eismacher in Deutschland in Erscheinung trat.

Bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde sein Eis u.a. aus einem Lastenfahrrad* für 5 Pfennige pro Kugel verkauft. Es gab Schoko-, Vanille-, Erdbeer- oder Zitroneneis. Manchmal auch selbstgemachte Limonade und im Winter heisse Maroni. Und nach seinem Tod im Februar 39 übernahmen seine Kinder das Geschäft. Noch in den 70er Jahren wurde in einer Werkstatt im Hinterhof des Familienhauses Eis gemacht. Als 4-jähriger war ich oft bei meiner Oma und wurde so Zeuge, wie in einem riesigen Bottich dazu die Zutaten verrührt wurden. Jede Sorte für sich. Am Mittag wurde das Eis verkauft und was übrig blieb, bekamen die Sprösslinge der Familie. Die goldenen Tage meiner Kindheit verbrachte ich also sonnenbeschienen auf einer Holzbank, bewaffnet mit einem Löffelchen, mit welchem ich aus einem Riesenbecher kiloweise Eis in mich reinschaufelte. Oder zumindest so ähnlich. Also eigentlich gar nicht… denn meistens blieb nichts übrig. Entweder ein Indiz für die herausragende Qualität des Genussmittels oder ein Zeichen schlichter Unterproduktion. Ich weiss es nicht. So ganz taufrisch bin ich auch nicht mehr und meine Erinnerung an diese Zeit gleicht einem Polaroid… man sieht zwar noch, daß Menschen fotografiert wurden, kann aber nicht mehr sagen welche.

Damit ist aber zumindest im Ansatz erklärt, was es mit dem neuen Logo auf sich hat. Und vielleicht auch, warum es Zeit für mich wird, zu recherchieren wie weit die Wurzeln meiner Familie reichen. Zunächst mal im Stadtarchiv, mittelfristig aber auch auf dem Rad in den Dolomiten in der Region Belluno. Auf ein Neues!

 

 *Mein Interesse an Lastenrädern kommt also auch nicht von ungefähr.