…danke! Danke Benjamin von wattsbehind für die Nominierung zum Liebster Award. Die in Tränen ertrinkende Dankesrede fällt aus, aber ich freue mich aufrichtig nominiert worden zu sein. Zunächst möchte ich Benjamins Fragen beantworten und in einem späteren Post nominiere ich einen neuen Blog. Nur einen? Ja, denn die meisten Blogs die ich regelmäßig lese, wurden schon mal nominiert. Dafür gibt es von mir wieder 11 Fragen. Hier also erstmal meine Antworten:

1) Was war deine/eure Intention um mit dem bloggen anzufangen?

Ende der 80er hatte ich die Angewohnheit, ein kleines, aber dafür dickes Büchlein mit mir herum zu tragen. Es war rot-kariert und ich nannte es ‚Alles-Buch‘. Spätpubertäre Poesie fand sich darin, Wuteinträge, Zeichnungen, Telefonnummern, jede Menge durchgestrichene Telefonnummern und getrocknete Tränen. Aber auch Einträge mir lieb gewonnener Menschen (die dann tlw. später wieder durchgestrichen werden mussten, Unendliches ist nämlich genau das nicht). Mein Alles-Buch war sowas wie ein Konversations-Stimulator. Eine Unbekannte Schönheit in der Batschkapp gesichtet? Schon zückte ich das kleine rote Büchlein und bat sie, nein, nicht um ihre Telefonnummer (also nicht immer), sondern um das Niederschreiben oder Zeichnen des erstbesten Gedanken. Und natürlich sollte die Unbekannte dann in dem Büchlein herumblättern, in den Kosmos meiner diffusen Gefühlswelt eintauchen und blablabla… eigentlich war das sowas wie Facebook heute, nur fühlte es sich echter an.

Auf jeden Fall trug ich dieses Büchlein noch lange mit mir herum, auch als es schon keine Seite, keinen Quadratzentimeter Platz mehr gab, um noch irgendetwas eintragen zu können. Irgendwann landete es mit einer Handvoll schrecklich schöner Erinnerungen in einer Kiste mit der Aufschrift „Früher“ und wurde abgeschoben. Und ein zwei Umzüge später verschwand es komplett.

Später habe ich es dann mit Reisetagebüchern versucht, tlw. um Erinnerungen zu konservieren, aber eigentlich und vor allem in der Hoffnung, irgendjemand möge lesen, was ich schreibe. Dazu hätte aber gehört, das Geschriebene einem breiteren Publikum zugänglich machen zu müssen. Das war im Pre-Internet-Zeitalter schwieriger als heute. Naturgegeben bin ich eher faul, also habe ich das Schreiben irgendwann ganz gelassen.

Dann das Internet, scheinbar unbegrenzte Möglichkeiten. Mein erster Gehversuch war nachtanke.tv, die Idee dahinter war von willkürlich ausgewählten Tankstellen nachts Livevideos zu streamen. Mit Interviews der Besucher, kleinen musikalischen Einspielern etc. Aber die Zeit (und die Technik) war noch nicht reif dafür. Danach begnügte ich mich mit der Rolle des Konsumenten, um dann im Juli 2015 vom Rezipienten zum Produzenten aufzusteigen. Zunächst wollte ich nur meiner Familie und meinen Freunden tagesaktuell von einer Radtour berichten und da das Kind einen Namen brauchte, einen nicht bikespezifischen mit persönlichem Bezug, taufte ich meinen Blog jacominasenkel. Mir macht das Schreiben einfach Spaß, aber viel Zeit habe ich dafür nicht und vor die Wahl gestellt, biken zu gehen oder zu schreiben, wähle ich ersteres.

2) Wie lange benötigst du im Schnitt um einen Blogpost zu verfassen? Benutzt du spezielle Programme/Tools um deinen Workflow zu optimieren?

Das ist ganz unterschiedlich und kommt auf das Thema an. Verfasse ich den Post „on Tour“ und solange die Eindrücke noch frisch sind, d.h. also bestenfalls noch am gleichen Tag, geht es recht flott. 30 bis 90 Minuten würde ich sagen.

Für die Zusammenfassung einer Reise brauche ich aber etwas länger. Spezielle Tools nutze ich dabei nicht. Obwohl…. tatsächlich nutze ich öfter die Notizfunktion meines fruchtigen Smartphones. Oft schreibe ich zunächst stichpunktartig alles auf, was mir zu einem Thema einfällt. Dann folgen meist mehrere Revisionsstufen. Falls Recherche notwendig sein sollte, nehme ich mir auch dafür Zeit. Am Ende trage ich dann nur noch alles zusammen. Unterm Strich summieren sich so ca. 2 bis 3 Stunden pro Post im Schnitt.

3) Welches ist dein Lieblingsbuch a) allgemein b) radsportbezogen?

„Pride and Prejudice“ schießt mir da durch den Kopf, das ist aber das Lieblingsbuch meiner Frau. Und ich beneide sie dafür, diese Frage so eindeutig beantworten zu können. Kennt jemand noch die „Unendliche Geschichte“? Das war eine sehr lange Zeit mein absolutes Lieblingsbuch. Ich kann sehr schnell lesen, das hat zur Folge, dass ich zeitweise sehr viel lese. Viel Schlechtes, aber auch viel Gutes. Radsportbezogen wird es eng… ein Buch das mich nachhaltig beeindruckte ist „Vom Junkie zum Ironman“ von Andreas Niedrig. Darf ich der Einfachheit halber die Top5 meiner Lieblingsbücher niederschreiben? Scheiss drauf, denn wer soll mich daran hindern…

  1. Gott bewahre (John Niven)
  2. Stolz und Vorurteil und Zombies (Jane Austen und Seth Grahame-Smith)
  3. Der lange dunkle Fünfuhrtee der Seele (Douglas Adams)
  4. Wie man mit einem Lachs verreist und andere nützliche Ratschläge (Umberto Eco)
  5. Der Fahrradkurier (Travis Culley)

4) Was gefällt dir am Hobby „Radsport“ so gut, dass du es nicht wieder aufgegeben hast und sogar anderen darüber berichtest?

Zunächst mal habe ich durch das Radfahren jede Menge interessanter Menschen kennen gelernt. Desweiteren versetzt mich der Anblick eines schönen Fahrrades in Euphorie. Ich fühle mich gut, wenn ich durch eigene Kraft größere Strecken zurücklegen kann. Und ich fühle mich gut, wenn ich das Auto stehen lasse. Durch das Fahrrad habe ich Plätze entdeckt, die mir andernfalls verborgen geblieben wären. Und dank des Fahrrads habe ich es geschafft, nachhaltig die Finger vom Alkohol zu lassen. Es gibt für mich keinen guten Grund nicht Fahrrad zu fahren, aber tausend gute Gründe es zu tun. Fangt einfach damit an, es lohnt sich!

5) Du hast die Kohle für ein neues Rad. Baust du selbst zusammen oder gibt’s ein „Fertigrad“? Warum?

Das ist einfach: ich würde es selbst bauen. Ein tolles Rad von der Stange kaufen ist zwar gut und schön, aber ich verspreche mir vom Selberbauen einen nachhaltigen Effekt und (noch) höhere Wertschätzung. Da ich das aus dem Stehgreif nicht alleine bewerkstelligen könnte, würde ich mir potente Hilfe holen. Ich wüsste auch schon wen… Das Material meiner Wahl wäre Stahl. Und das nicht nur weil es sich reimt. Für den Anfang würde ich die Ausstattung übersichtlich halten. Singlespeed, Flatbar, ausreichend Platz für dicke Reifen, Scheibenbremsen und eine hydraulische Sattelstütze. Später würde ich mir dann, Zeit und Geld vorrausgesetzt, einen klassischen Rennradrahmen brutzeln.

6) Was denkst du über den technischen Fortschritt und die mittlerweile 10000 „Standards“ in der Bikebranche? Gute und sinnvolle Innovationen oder Geldmacherei der Bikefirmen?

Hmmm, Komponenten (und Bikes) müssen sich langfristig bewähren. Die hydraulische Sattelstütze an meinem Mountainbike möchte ich z.B. nicht missen. Und wohl keiner möchte im Downhill auf Federelemente verzichten. In die unselige Diskussion über Reifendurchmesser bin ich gar nicht erst eingestiegen. Di2? Habe ich leider noch nicht testen können, bin mir aber ziemlich sicher, dass ich nichts dagegen hätte sowas am Renner zu haben. Boost? Warum nicht. Aber natürlich gibt es bei all dem Licht auch dunkle Seiten, das Marketing, die dunkle Seite der Macht. 😉 Die Versuchung ist groß, jährlich das Rad zu wechseln und ich muss mir regelmäßig auf die Finger klopfen. Z.B. bin ich fasziniert von den Geometronbikes von Nicolai. Eines der Modelle konnte ich in diesem Jahr Probe fahren und hatte sehr viel Spaß damit. Lecker finde ich auch die neuen Rennradmodelle eines Versenders aus Koblenz. Da bekomme ich zitternde Hände und bin froh, keinen Sack Gold im Haus zu haben. Letztlich beeinflussen wir auch durch unser Kaufverhalten, was sich durchsetzt. Und mal unter uns… der breiten Masse ist das ziemlich wumpe, was, wie an einem Rad funktioniert, so lange es das tut, was es tun soll. Und es darf natürlich nicht zu teuer sein. So bleibt vieles was das Licht der Welt erblickt Musikermucke. Damit kann ich im Angesicht echter Herausforderungen leben.

7) Der neue Olympiazyklus hat ja gerade begonnen. Was sind deine sportlichen Ziele für nächstes Jahr/den neuen Olympiazyklus? Und welche Ziele hast du für deinen Blog?

Ich übe mich in Demut und freue mich, das ich Rad fahren kann. Wenn es mir gelänge die übers Jahr gewonnene Form durch den Winter zu retten, wäre ich schon zufrieden. Am 28. April möchte ich im Rahmen des Candy B. Graveller starten, 550 km von Frankfurt nach Berlin entlang des Flugkorridors der Berliner Luftbrücke (Website folgt in Kürze). Sollte die Kraft (und die Zeit) danach noch reichen, würde ich gerne am 1. Mai den Radklassiker Frankfurt-Eschborn anhängen. Das Bergfest am Feldberg im Taunus soll wieder stattfinden, also ist dieser Termin auch gesetzt. Im September fahre ich im Rahmen der Tour de friends von München nach Venedig. Es gibt also mind. 3 Events, über die ich 2017 schreiben werde. Ausserdem wartet noch ein Interview mit einem befreundeten Rahmenbauer darauf geführt zu werden und ab April teste ich einen neuen Rucksack von Heimplanet.

Und in einigen Tagen, nein, im nächsten Jahr folgt meine Nominierung mit 11 Fragen! Ich wünsche Euch allen einen guten Rutsch und ein gesundes Jahr 2017!