Strecke: Kälberau bis Pferdsdorf (an der Ulster)
Kilometer gesamt: 135 km
Höhenmeter gesamt: 2.335 hm
Streckencharakteristik: Sägezahnprofil auf grobem bis sehr grobem Untergrund
Höhepunkte (subjektiv)Kinzigtal, Point Alpha

Es dämmert früh und der erste vorlaute Vogel nimmt dem Wecker die Arbeit ab, statt den frühen Wurm zu fangen.

Augen auf, Statuscheck. Mir ist nun wirklich schlecht. Es zwickt nach wie vor, ich friere. Alles in mir schreit nach Aufgabe. Als ich mein Mobiltelefon einschalte, erreicht mich eine SMS meiner Frau: „Geht wieder weg.. Und jetzt ran ans große Abenteuer. 🚴❤️“ Das ist ein Zeichen und auch Kay redet mir gut zu. Dem inneren Schweinehund verpasse ich einen Maulkorb und langsames weiterfahren ist ein gutes Heilmittel. So habe ich es zumindest irgendwo gelesen.

Auf unserem Weg sammeln wir Josh und Justus ein. Sie haben unter einem Bauwagen übernachtet und waren so wenigstens vor Regen geschützt. Vor der Kälte allerdings nicht. Von jetzt an sind wir zu viert unterwegs, Justus erzwungen im Singlespeedmodus. Das Schaltwerk ist mit Kabelbindern fixiert und es wird, nach Bedarf, analog geschaltet. Auch der Gruppe Walter begegnen wir wieder, die in einer Schutzhütte Obdach gefunden hat.

Harvester haben hier im Wald ganze Arbeit geleistet und eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Der ein oder andere Trailabschnitt lädt allerdings zum Ballern ein und wir lassen es laufen, während die Sonne mehr und mehr an Kraft gewinnt. In einer kleinen Ortschaft finden wir einen Bäcker. Einen leeren Bauch habe ich, Hunger weniger. Trotzdem bestelle ich Croissant und Kaffee, merke aber nach dem ersten Bissen, das mein Bauch nicht so möchte wie ich. Egal, das Croissant muss rein. Als die Gruppe Walter die Bäckerei für sich entdeckt, brechen wir schon wieder in Richtung Kinzigtal auf. Einige Kilometer später erobere ich das Klo einer Tankstelle. Aber….. mit steigender Temperatur verbessert sich nicht nur meine Laune, sondern auch meine Konstitution. An der Kinzigtalsperre machen wir eine weitere kurze Pause, ich telefoniere mit meiner Frau und erfahre, dass Gunnar bereits weit hinter Fulda ist.

Kay hat als Scout ganze Arbeit geleistet, denn seine Route spart so gut wie jeden möglichen Meter Radweg aus, dafür sammeln wir fahrend, schiebend und zerrend jede Menge Höhenmeter. Dazu bieten uns die Ausläufer der Rhön erschöpfend Gelegenheit. Wer hoch kommt, muss auch wieder runter und dieser Streckenabschnitt geizt nicht mit einigen leckeren trocken-staubigen Abfahrten. Gefühlt fahren wir aber erst einmal um Fulda herum, bevor wir zur Mittagszeit in die Innenstadt rollen. Und ich habe Hunger! Die ausgedehnte Wartezeit in einer Pizzeria nutzen wir, um die Klamotten zu trocknen. Satt und zufrieden setzen wir unseren Weg in Richtung Gedenkstätte Point Alpha fort. Auf dem Weg dorthin treffen wir wieder auf Gruppe Walter. Nach kurzem Plausch nehmen wir die intensiven letzten Kilometer zur Gedenkstätte gemeinsam unter die Stollen.

Die Steigung ist das eine, das andere die Betonplatten, die im ehemaligen Grenzgebiet allgegenwertig sind. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Die Begegnungsstätte hat an und für sich schon geschlossen, ein nettes Duo öffnet aber extra für uns nochmal die Türen, so dass wir unsere Trinkflaschen auffüllen können. Trail Magic die Zweite! Nun gilt es Pläne für den Abend zu schmieden… die einen wollen einkehren, ein paar Bier trinken und dann noch ein paar Kilometer fahren, um sich einen Lagerplatz zu suchen. Kay, Josh, Justus und ich möchten lieber noch einige Kilometer mehr hinter uns bringen, bevor wir lagern. So trennen sich wieder die Wege der vier glorreichen sieben und der Gruppe Walter.

Denkste! Keine 15 km später, in Pferdsdorf an der Ulster, wird gefeiert! Ein riesiges Walpurgisfeuer prasselt, es gibt Würstchen und Bier. Na gut, wir halten kurz, essen eine Wurst und fahren dann weiter. Der gefasste Plan wird sofort umgesetzt. Während wir, von den Einheimischen skeptisch beäugt, unsere Würste in Empfang nehmen, taucht eine Gruppe uns gut bekannter Radfahrer auf. Die Gaststätte der Wahl hatte wohl zu und Bier gibts hier auch. Dieter macht das Festzelt als Schlafstätte klar. Eine kleine Spende an die Feuerwehr und die Sache ist geritzt.

Noch sind wir unschlüssig, ob wir uns hier niederlassen sollen. Bier, Wurst und Wärme sprechen dafür, der Kilometerstand spricht dagegen. Klarer Fall… die Wurst gewinnt. Am Gruppenkuscheln im Festzelt beteilige ich mich jedoch nicht, sondern richte mir mein Lager am Feuer ein. So kann auch der in der vergangenen Nacht feucht gewordene Schlafsack trocknen. Auf den Biwacksack verzichte ich, d.h. nicht ganz, er dient als Unterlage. Mit allen Klamotten am Leib, die mir zur Verfügung stehen, bette ich mich zur Ruhe. Es ist sternenklar und verspricht eine wirklich kalte Nacht zu werden. Zweimal wechsle ich die Position und rücke näher an die Glut heran. Als ich morgens um 6.00 aufwache, findet sich trotzdem eine Rauhreifschicht auf der Oberfläche meines Schlafsacks. Der Preis der Romantik. Man könnte es schlechter treffen.

Ende von Teil 2, Teil 3 findet ihr hier.

  1. #cbg17: 1. Frankfurt – Kälberau
  2. #cbg17: 2. Kälberau – Pferdsdorf
  3. #cbg17: 3. Pferdsdorf – Othal
  4. #cbg17: 4. Othal – Berlin