In Unterhosen stehe ich vor den Messehallen in Friedrichshafen und werde von anderen Besuchern auf das Offensichtliche hingewiesen. Ja, ich bin nass. Das war vorhersehbar und so habe ich Wechselkleidung eingepackt, die ich nun anlege. Sogar ein kleines Handtuch kommt zum Einsatz. So betrete ich einigermaßen vorzeigbar die Hallen der Eurobike. Erstes Ziel: die Blogger Base. Hier können sich akkreditierte Blogger austauschen, einen brauchbaren Kaffee trinken, sich mit belegten Brötchen und Obst stärken, schon mal den ein oder anderen Bericht verfassen oder einfach den Tag verbummeln. Danke an Mirjam Reisch für die Organisation und das offene Ohr. Der The Wriders‘ Club ist natürlich mit von der Partie, u.a. treffe ich Carolyn Ott-Friesl, die nicht nur unter ciclista.net bloggt, sondern auch seit kurzem als Tourmaker für Deutschland Deine Tour hinter den Kulissen recherchiert und darüber berichtet. Auch der Lieblingstourer ist vor Ort und bietet mir spontan einen Schlafplatz im Vorfeld des Starts zur Tour de friends an, an der wir beide teilnehmen. Danke dafür Christopher! Mit Chris von goodtimesroll unterhalte ich mich über die Herausforderung Arbeit, Familie (hier wichtig: mit Kind) und Bloggerdasein unter einen Hut zu bringen. Und auch Alexander Theis stromert herum und ich kann ihn persönlich befragen, wie es war den Candy B. Graveller mit einem Pedelec erfahren zu haben.

Chris von Goodtimesroll im Gespräch mit dem Radelmädchen und Lieblingstourer Christopher Jobmann

Die drei Stooges: Mr. Overnighter Gunnar Fehlau, Tourmaker Carolyn Ott-Friesl und Jacominas Enkel

Bevor wir zu einem von Mirjam geführten und von Gunnar moderierten Messerundgang aufbrachen, stellten einige Unterstützer des Wriders‘ Club Produkte vor. So zum Bsp. Torsten Mendel von Abus u.a. den futuristisch anmutenden Helm ‚Gamechanger‘. Und auch Vaude kam zu Wort und informierte über ihr Sortiment an Bikepackingtaschen. Das Thema Bikepacking, so scheint es, rahmt als Sidestory das alles beherrschende große E ein. Und manchmal, aber nur manchmal stiehlt es diesem sogar die Show. Zurück zu Vaudes Taschen. Diese würde ich doch mal gerne ausprobieren. Die Satteltasche sah interessant aus und ich finde die Möglichkeit, die Tasche vom Rad zu nehmen, während der Träger an selbigem verbleibt gut gelöst. Präsentiert wurden die Taschen übrigens an einem Bambusbike.

Die angebotene Möglichkeit eines Messerundgangs nahm ich gerne wahr, denn ich wollte mich treiben lassen und hatte mir deshalb keinen Plan für den heutigen Tag geschmiedet. Unser nicht ganz kleines Grüppchen erntete den ein oder anderen belustigten Blick, während wir brav wie die Entlein einer Follow Me-Tafel folgten, während uns Gunnar via Headset mit Wissenswertem über die Aussteller versorgte.

Erster Stop: Garmin.

Und natürlich wurden uns der neue Edge 1030, sowie der neue Vector 3 vorgestellt. Dazu haben andere besseres geschrieben als ich es könnte, daher an dieser Stelle nur Links. Mich hingegen interessierten die Wearables von Garmin. Meine Fenix 3 hat mich zum Uhrenträger gemacht und ich möchte sie nicht mehr missen. Daher warf ich einen schnellen Blick auf die etwas kleineren Schwestern. Die kleineren Modelle wie z.B. Vivosport sind nun auch mir HR-Messung am Handgelenk ausgestattet, was ich persönlich nützlich finde. Eine über NFC integrierte Bezahlfunktion wie im Falle der Vivoactive 3 ist bislang in Deutschland nicht nutzbar, wäre in meinem Fall aber auch kein Kaufkriterium. Wie seht ihr das? Gerne hätte ich mir ein Exemplar der Vivomove HR angesehen, einem Hybrid im Look einer Analoguhr, aber ich konnte kein Exemplar entdecken. Schade, das mag aber an den, meinem Alter geschuldeten, müden Augen gelegen haben.

Bianchi

Hmmm… irgendwann mal fand ich Bianchi richtig toll. Das war im Jahr 1984, als ich als Teenager über eine Anzeige von Bianchi stolperte. Die Überschrift lautete ‚The ugly truth‘ und im Text dieser Anzeige las ich, dass Celeste, die Hausfarbe Bianchis, eigentlich ganz schrecklich sei, ganz und gar nicht schön und das man das gerne geändert hätte, zuvor aber abstimmen wollte. Und man ahnt es, natürlich wurde Celeste mit überwältigender Mehrheit erneut zur Hausfarbe gekürt. Aber abgesehen von der schrecklichen Farbe, würde man sowieso die besten aller Räder auf diesem Planeten bauen. Das hat mich nachhaltig beeindruckt und wer weiß, vielleicht war meine Berufswahl doch nicht rein zufällig, sondern dieser Anzeige geschuldet?! Mein aktuelles Lieblingsmodell von Bianchi ist übrigens der L’Eroica-Rahmen. Aber egal… Bianchi also. Baut immer noch Rennräder und nun auch individualisierbar mittels Onlinekonfigurator. Man präsentierte stolz das SF01, das einer Kooperation zwischen Bianchi und Ferrari entspringt. Das rote Geschoss auf Basis des Specialissima gibt es dann für Taschengeldfreundliche 15.000,00 €. Wenn man sonst nichts hat, wofür es sich zu sparen lohnt, here you go.

So und warum bin ich so zickig? Ganz einfach… sich mit Superlativen zu schmücken ist nicht die allerbeste Eigenschaft, auch wenn Klappern zum Handwerk gehört. Verweist man aber explizit auf den Designprozess, wie aufwändig dieser sei und wieviel Mühe man sich mit damit gäbe, sollte dies auch in Details des Rahmendekors sichtbar sein. Sieht man sich die Decals der neuen Modelle an, möchte man an der Ernsthaftigkeit einer Verkaufsabsicht zweifeln. Da rollen sich bei mir die Fußnägel auf.

Koga

Harald Troost zeigte uns einige neue Modelle und tat das mit sichtlicher Freude an den Produkten. Ausgestellt wurde auch ein Kimera Premium, baugleich ausgestattet wie das Modell, welches Mark Beaumont für seine Weltumrundung nutzt. Einen Will-Haben-Effekt löste der ausgestellte Beachracer aus, den ich am liebsten mitgenommen hätte. Übrigens… auch Koga bietet unter dem Siegel Koga Signature Customize-Optionen an.

Und dann entführte uns Harald in die Welt edlen Titans. Van Nicholas‘ Skeiron…. absolut außerhalb meiner Liga. Nicht umsonst hat dieser Traum auf Rädern den Eurobike Gold Award in der Kategorie Rennräder gewonnen. Hach…. zu schön um meins zu sein!

Haibike

Ein emotionales Plädoyer für das E-Mountainbike. Und mal unter uns: schick sind die Dinger schon. Und Spaß machen tun sie auch. Wie immer gilt das Gesetz der Verhältnismäßigkeit. Werden E-Bikes und Pedelecs unseren Sport verändern? Auf jeden Fall. Ein Freund von mir, selber Mountainbiker der ersten Stunde, berichtete mir einigermaßen ernüchtert davon, das sein Hometrail total zerfahren worden sei. Schlimm sähe es dort aus. Und das nur, weil eine Premiummarke im Vorfeld der Eurobike ihre neuen E-Bikemodelle vorgestellt hat und man im Rahmen der Präsentation besagten Trail mit einer größeren Gruppe bis zu sechs Mal gefahren sei. Der Trail wird sich erholen, da bin ich mir sicher. Und für das mangelnde Bewusstsein, das das eigene Handeln Auswirkungen für alle haben kann, soll man nicht die Bikes verteufeln. Dann lieber den Mund zur richtigen Zeit aufmachen, auch wenn man damit riskiert der Spielverderber zu sein.

HP Velotechnik

Mein Sohn hätte an dem metallic-grünen Scorpion mit Pinionantrieb seine helle Freude gehabt. Ganz einfach, weil er grüne Fahrräder mag. Aber auch ich musste nicht extra dazu animiert werden, mich zu freuen wie ein kleines Kind. Das Scorpion war und ist auf meiner Fahrrad-Wunschliste ganz weit oben. Und das ausgestellte Stück war ausnehmend hübsch anzuschauen. Alexander Kraft verriet uns, dass die Integration des Pinionantriebs die Ingenieure bei HP Velotechnik vor eine schwierige Aufgabe stellte. Gut gemacht!

Simplon

Am Stand von Simplon gab es vor allem sehr schöne Schwarzweiß-Aufnahmen der Imagekampagne 2018 zu bewundern. Anscheinend hatte man aber nicht mit unserem Besuch gerechnet und war somit schlecht vorbereitet. Dementsprechend leblos fiel die Präsentation aus. Das Pride, ein Aerobike, wußte aber sehr wohl zu gefallen. Und das ganz ohne Worte!

Mein Fazit nach dem Rundgang

Die Möglichkeit, sich als Blogger aus erster Hand informieren zu können, finde ich großartig. Schade nur, wenn sich die Präsentation im auswendig gelernten Aufsagen der Produkteigenschaften erschöpft, denn dann kann ich mir die Aufmerksamkeit sparen, finde ich diese Informationen doch auch auf den Websites der Hersteller. Interessanter wären z.B. Infos zum Prozess der Entstehung eines Produkts. Natürlich haben auch Blogger einen Mund zum Reden und nachfragen hilft, aber dazu sollte mein Gegenüber zumindest motiviert wirken.

Fortsetzung folgt! Dann mit Kuriosem, Praktischem und einer kleinen intimen Eventberichterstattung.