Sie hießen Breeze, Fisher und Kelly, wir Sascha, Björn und Bernd. Sie hatten Klunkerz, wir Kinderräder. Sie fuhren in Marin County, wir in der Kiesgrube. Sie wurden reich und berühmt, wir wurden älter. Was uns einte, war der Spaß am radfahren. Am liebsten schnell. Am liebsten bergab. Wieder und wieder schoben wir unsere Kinderrädchen deshalb die flachen Hügel unserer Kiesgrube hinauf, um für einige Sekunden das Gefühl zu haben, fliegen zu können. Bis einer kam und es wirklich konnte. Gestatten: Evil Knievel. Und wieder zog unsere Karawane der Tapferen in Richtung Kiesgrube. Jetzt mit von der Baustelle geklauten Holzbohlen. Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß aber die Angst gesetzt. Mit zitternden Knien und feuchten Händen, die kalt den kaum Griff zu nennenden Plastiküberschuh am Lenker umklammerten starrten wir in den Abgrund, während eine johlende Meute Gleichaltriger oder schlimmer noch, Mädchen am Boden hockend darauf hofften, die Abfahrt möge schmerzvoll enden. War man erst einmal in Fahrt, gab es kein Halten mehr. Kein Helm schützte den Topf beschnittenen Kopf. Und die Krankenkassen hatten alle Hände voll zu tun, denn nicht jeder kleine Held kam in einem Stück wieder nach Hause. Aber Schmerz vergeht, doch Ruhm währt ewig. Blaue Flecken wurden einem Orden gleich zur Schau gestellt, Armbrüche oder gar Kopfverletzungen erhoben den Versehrten in den Adelsstand. Auch Felgen und Rahmen brachen unter ungewohnter Last, was man für gewöhnlich vor den Eltern zu verbergen suchte. Mit Ersatzteilen versorgten wir uns beim Sperrmüll. Kindliche Marketender mit merkantilem Geist legten in geheimen Lagern Ersatzteile zurück, um diese bei Bedarf gegen harte Währung zu tauschen. 2 Räder die die Welt bedeuteten. Die kleine oder große Flucht auf der Suche nach selbstbestimmtem Leben. Und das Blut auf der Zunge schmeckte noch nach Freiheit.