Des Mountainbikers liebstes Kind ist, neben seinem Rad, vermutlich ein gut gebauter Trail. Aber wann ist ein Trail eigentlich gut? Wenn er dem motivierten Anfänger wie dem fortgeschrittenen Biker ein zufriedenes Lächeln entlockt. Aber geht das? Probieren wir es doch einfach mal aus. Fehlt ja nur noch ein geeignetes Gelände. Und das bekommt man woher?

In der Regel stapft man nun mit einer Schaufel ausgestattet in den Wald und fängt an zu bauen. Im Schweiße seines Angesichts sorgt man für seine eigene Spielwiese. Das geht meistens so lange gut, bis irgendjemand auf die rege Bautätigkeit aufmerksam wird und beginnt, Nachforschungen anzustellen. Dann kann es sein, dass die mühevolle Arbeit von Monaten in wenigen Minuten „rückgebaut“ wird. Das ist frustrierend. Und vielleicht hat man dann erstmal keine Lust mehr.

Irgendwann ist das Kribbeln aber wieder da. Einfach weil nach einem grauen Winter der Frühling lockt oder man wieder eine dieser Einstiegsdrogen konsumiert hat. Wie heißen die noch gleich? Videos, genau. Irgendwo in Kanada schieben tätowierte Bartträger in Karohemden die allerschicksten Räder durch den Wald, setzen betont lässig ihren Helm auf, das alles natürlich in Zeitlupe, um dann mit viel Speed durch den Wald zu cruisen. Alternativ fahren sie mit einem Pickup und jeder Menge Bikes auf der Pritsche durch die Gegend, schlendern lässig mit Motorsägen auf den Schultern zu einem sagenumwobenen Platz, um dort Bäume mit Umfängen wie dem Kölner Dom zu fällen und so lange zu bearbeiten, bis daraus befahrbare Hindernisse werden. In logischer Konsequenz führt der eigene Weg nun sofort in den Keller, um die Schaufel zu holen und so weiter und so fort.

Das ist frustrierend und irgendwann sehr ermüdend. Ein Freund sagte einst, man lernt durch Schmerz, aber mehr noch durch positive Verstärkung. Man wünscht sich nichts sehnlicher, als das das selbst geschaffene Werk Bestand haben mag. Trailbauer sind bisweilen Künstler, oftmals auch nicht. Wenn man aber einen gut gebauten Trail gefahren ist, vergisst man das nicht so schnell. Es fügt sich alles in einer einzigen rhythmisch-fliessenden Bewegung und für den Moment gibt es nicht anderes was wichtig oder erstrebenswert wäre. Die Farben des Waldes mischen sich, durchzogen von goldenen Pinselstrichen warmen Sonnenlichts. Wer einmal der süßen Versuchung erlegen ist, für den gibt es kein Zurück. Also baut man weiter, ungeachtet des Risikos erwischt zu werden. Was kann den schon passieren?

Unterm Strich verhält es sich so: ziehe ich meine eigene Linie durch einen Wald, dessen Eigner ich nicht bin, handle ich genauso wie der Nachbar, der in meinem Garten anfängt irgendwas zu bauen, ohne vorher um meine Erlaubnis gebeten zu haben. Das tut er vermutlich nicht, weil er befürchtet, eine Absage erteilt zu bekommen. Das ändert aber nichts daran, das ich ihn im besten Fall zur Rede stelle oder ihn sogar anzeige, wenn er das Bauen nicht sein lässt.

Das führt uns zu der eingangs gestellten Frage… wie kommt man also an ein geeignetes Gelände? Jetzt gehöre ich zu den Menschen, die auch mal gerne etwas richtig machen. Einfach weil ich in meiner oft vorherrschenden Gedankenlosigkeit schon so vieles falsch gemacht habe.

Nur… Trailgenehmigungsverfahren sind zeitintensiv, die bürokratischen Hürden hoch, Besitzverhältnisse unklar. Da türmt sich ein Haufen Fragen zu einem beängstigenden Berg auf. Hat man diesen erklommen und freut sich schon auf die Abfahrt, hagelt es Gutachterbeschlüsse, Versicherungsanfragen, Pachtverträge, Baugenehmigungen und Gegenwind lässt die Abfahrt schwieriger werden als die Auffahrt, denn viele, viele, viele möchten auf gar keinen Fall, dass du mit deinem Rad in den Wald fährst und dort Spaß hast.

In unmittelbarer Nähe zu meinem Wohnort gibt es eine beliebte Erhebung, den Winterstein. Der Steinkopf, sein mit einem Fernmeldeturm geschmückter Gipfel, wacht über die darunter liegende Wetterau. 518 Meter ist er hoch. Seit mehr als 20 Jahren kurve ich nun schon da oben rum. Mal mehr, mal weniger. Und seit 14 Jahren war ich Mitglied mehrerer Vereine, die es sich zum Ziel gesetzt hatten, ein Stück des Waldes beackern zu dürfen. Und manchmal sah es auch ganz gut aus, mit den Genehmigungen. Schlussendlich haben wir es 2011/2012 zumindest soweit gebracht, eine Strecke nach unseren Vorstellungen bauen zu können, die jedoch keinerlei offiziellen Charakter hatte. Vielmehr wurden hierfür alle Augen zugedrückt.

Warum nun auf einmal wieder jede Menge Volk mit Äxten, Spaten und Schaufeln durch den heimischen Wald zieht, am hellichten Tage und ohne den Anflug eines schlechten Gewissens, werde ich in den nächsten Wochen begleiten und beleuchten.

Happy Trails!