„Regen rinnt und Pfützen
Sammeln sich auf dem Asphalt
Menschen hinter Tür und Fensterglas
Mir gehört das Offene, wo es blitzt und Donner schallt
Der Regen fällt und macht die Erde nass“
(Regen / Jochen Distelmeyer)

 

Text: Dr. Dorie, Fotos vom Enkel und Martin Donat lifecyclemag

Frühstück gibts um halb sieben. Unsere Helden gönnen sich Brühkaffee und frische Brötchen, aber der Fluch des späten Aufstehens rächt sich in Form von Regen ab dem Moment des Aufbruchs. Regen. Er macht Dir nichts vor, er hüllt Dich ein. Er unterscheidet nicht, ist frei von jedem Dünkel. Mal ist er zornig, mal leicht beschwingt. Bändigt den Staub der Straße. Macht Bäche zu Flüssen. Spendet Leben. Vor allem dringt er aber überall ein, das dauert zum Glück nicht so lang und wenn man nass ist, kann man nicht nasser werden. Der guten Laune tut das Wetter keinen Abbruch. In Fulda legen wir einen schnelle Fotostopp am Dom ein. Lächeln Dorie… Knips und weiter. Raus hier!

Wie so oft werden zauberhafte Innenstädte von grauenvoller Peripherie eingerahmt. Wir sind also froh, als wir die Domstadt hinter uns lassen. Dunst liegt auf den regennassen Wiesen. Man hört Schafe blöken. Irgendwann sieht man sie auch. Sehen auch nicht besser aus als wir. Alles ist nass.

Wir entschliessen uns eine weitere Pause einzulegen und nutzen diese, um zumindest einen Teil des Wassers wieder loszuwerden. Interessant ist, das hier eigentlich einander völlig fremde Menschen zusammen sitzen. AFD’ler, christlicher Fundamentalist, Versicherungsvertreter, Sozialarbeiter? Von Martin D. weiß ich was er macht. Huckleberryhess könnte alles sein. Aber es spielt im Moment keine Rolle. Wir haben das gleiche Ziel, fahren ein ähnliches Tempo, können uns riechen und haben kein Problem damit. Das darf man ruhig wörtlich nehmen. Einträchtig sitzen wir beisammen, teilen Vorräte. Kommunikation beschränkt sich auf Wesentliches. Möchtest Du, hast Du? Bitte, Danke! Hier und da ein Lachen. Über was eigentlich? Bevor wir Auskühlen können, fahren wir weiter. Der Buschfunk meldet, das auch Gunnar abgebrochen hat und nun mit dem Zug auf dem Weg nach Berlin ist. Noch einer meiner Lieblingsmenschen offline.

Der Enkel ist guter Dinge, sagt seine Beine wären im Mittelgebirgsmodus. Damit meint er wohl, das das stete Auf und Ab ihn an zu Hause erinnert. Irgendwann wechselt der Untergrund und Wiesen und Waldwege werden von Überresten des ehemaligen deutsch-deutschen Grenzstreifens abgelöst. TaTank-TaTank-TaTank. Am Horizont taucht PointAlpha auf. Es besteht Aussicht auf zuckerhaltige Getränke, eventuell sogar Schokoriegel? Aber der Kiosk hat geschlossen. Wir müssen schrecklich verhungert aussehen, denn die Dame am Einlass versorgt uns mit dem dringend Nötigen.

Es folgen fast 200 Höhenmeter Abfahrt ins Werratal, vorbei an Pferdsdorf an der Ulster, wo wir im letzten Jahr bei -3 Grad am offenen Feuer nächtigten – unbezahlbar (CBG17 / Tag 2). Für Minuten lässt sich die Sonne blicken, schaut nach dem Rechten, grinst und verschwindet wieder. Thüringen liegt wie ein dicker nasser Schwamm vor uns. Der Boden kann das ihn bedrängende Wasser nicht mehr aufnehmen und möchte es mit uns teilen. Die Füße bedienen sich am Überangebot und quellen auf. Wenn möglich fahren, oft genug schieben wir durch den morastigen Untergrund. Ich freue mich auf den Hainich, seine Trails und Wälder. Gerade ist aber wieder mal Landstraße angesagt, vielmehr Landunterstraße. Nun kommt das Wasser von drei Seiten. Von oben, von unten und von der Seite. Weichgespült erreichen wir den Naturpark. 400 Höhenmeter und 30 Kilometer trennen uns noch von Bad Langensalza. Vor meinem geistigen Auge sehe ich lukullische Genüsse, Dönerberge und Pizzaburger, mit Schokosoße oben drauf. Während wir noch durch den Hainichwald kurbeln, wirft jemand ein Handtuch über die Landschaft und nimmt uns das Tageslicht und damit auch das letzte bisschen Farbe, gefangen in einem Bild von Raimund Girke. An einem Unterstand erwarten uns Martin und Ratti, sichtlich erschöpft. Pause ist angesagt. Und ich weiss wo.

Ganz in der Nähe liegt die Hainich Baude. Schon von weitem sehen wir beleuchtete Fenster einladend zwinkern. Und wir nehmen die Einladung dankend an. Die Räder bleiben vor der Tür, in der kleinen Schutzhütte wäre kein Platz und so mitten im Nichts ist das Risiko eines Diebstahls eher gering.

Ausser uns sitzt nur noch ein Pärchen in dem kleinen Wirtsraum. Kurz nach uns treffen weitere Piloten ein und wir belegen einen freien Tisch. Unsere nassen Sachen hängen wir rund um einen kleinen Ofen herum auf. Immer mehr Pilotinnen und Piloten treffen ein und hungrig sind sie auch. Im Handumdrehen werden Suppen, Brote und Getränke serviert. Wir fragen die Wirtin, ob es nicht möglich ist, in der Baude zu nächtigen. Das geht leider nicht, aber sie hat noch Ferienwohnungen im nächsten Ort. Mit Heizung und Dusche. Ein Großteil der Candyteilnehmer entschließt sich dafür die Klamotten zu trocknen und die Nacht in einem Bett zu verbringen. So auch wir… die zweite Nacht die wir nicht unter freiem Himmel verbringen. Die Aussicht noch weiter durch den Regen zu fahren hat momentan so gar nichts Spannendes. Andreas und Joachim ziehen es aber durch und verabschieden sich nach dem Essen, schlüpfen in ihre nassen Klamotten und verlassen die Hütte. Der Enkel kann sich anhaltenden Aufforderungen zum Tanz durch eine Stammgästin ebenfalls nur durch Verlassen der Hütte entziehen und so brechen auch wir auf.

Die Unterkunft ist ganz in der Nähe, wir freuen uns wie die Kinder auf Dusche und Heizung, denn inzwischen hat es merklich abgekühlt. Leider funktioniert die Heizung vor Ort nicht ganz so wie erwartet, aber die Dusche tut gut. In der Planung liegen wir inzwischen ca. 50 km hinter dem angepeilten Ziel, wir müssen Meter machen und beschliessen am frühen Morgen aufzubrechen. So heißt es bereits um 5.00 Uhr die Hühner zu satteln. Bis wir uns gesammelt haben, vergeht eine dreiviertel Stunde und so sitzen wir um kurz vor sechs im Sattel auf der Suche nach Frühstück.

Ende Teil 2. Fortsetzung folgt…

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Und hier zu Teil 3…