Mit sozialer Distanz habe ich kein Problem. Diese habe ich in den letzten Jahren freiwillig gepflegt und kultiviert. Wer hätte gedacht, das sich das mal auszahlt. Menschen ertrage ich nur dosiert, die Menge macht das Gift. Insofern kommen mir die Aufrufe auf Abstand zu gehen eher gelegen.

Auch dem momentanen Stillstand kann ich durchaus etwas abgewinnen. Wenn ich die Ursache ausblende. Flugzeuge bleiben am Boden, die Geschäfte geschlossen. Nachrichten lese ich zwar, aber dosiert. Der Blick auf das Leben und Sterben „da draußen“ erfolgt wie durch ein Mikroskop. Konzentriert im Moment verharrend, ein stiller Beobachter der Dramen die sich woanders abspielen und die sich nun noch weiter weg anfühlen als sonst. Um das Gefühl der Macht- und Hilflosigkeit zu einzuhegen, habe ich mich bei zwei Hilfsinitiativen als Freiwilliger gemeldet. Was tun! Irgendwas tun.

Das gute Wetter und der Garten helfen. Es tut mir gut zu sehen, wie das Leben immer wieder zurück kehrt. Das stimmt mich hoffnungsvoll. Auch das ich erleben darf, wie sich Nachbarschaftshilfen organisieren, Menschen einen Teil ihres Einkommens spenden, Solidarität gelebt wird. Und wenn das im Kleinen funktioniert …

Menschen freuen sich über das auf einmal saubere Wasser in Venedigs Kanälen, man sieht sogar Fische am Grund. Die Luft in den Städten wird messbar besser. Menschen fahren mehr Rad (ok, das ist eine persönliche Beobachtung).

Konsum macht nur vorübergehend glücklich, deshalb wollen wir immer mehr. Immer besser und schneller Rad fahren, kommunizieren, alles muss immer und überall verfügbar sein. Die Keller sind voll, aber die Herzen sind leer.

Konsumiert, konsumiert, Menschen, vermehrt den Reichtum weniger und damit euer persönliches Elend. Konsumiert, konsumiert, um, immer ärmer geworden, noch mehr Ursache zu haben, zu konsumieren und elend zu sein.

Frei nach Paul Lafargue

Die momentane Begrenztheit zwingt uns in den Spiegel zu schauen. Das was wir da sehen, mag uns nicht gefallen. Aber es ist ein Chance, ein Weckruf … wir sind nicht alleine. Wir sind eins! Diese Krise ist eine Aufforderung, sich endlich aufzuraffen und füreinander einzustehen. #noonestaysbehind

*Juchtenkäfer: Osmoderma eremita, der Eremit. Eine prioritäre Art, für deren Art der Gemeinschaft besondere Verantwortung zukommt.